Bin ich eigentlich der einzige, dem auffällt, wie unglaublich viel gebaut wird in dieser Stadt? Man kann kaum ein paar Meter fahren und stolpert immer wieder über Bauzäune, Kräne und Abrissbagger, die sich an alten Häusern, Strassen, Schienen oder sonstigem, was irgendwo steht oder liegt, zu schaffen machen. Und überall wo man hinschaut, werden Büros hochgezogen! Kaum mal, das es irgendwo nach Wohnungsbau aussieht - und wenn, dann höchstens Schicke neue Eigentumswohnungen oder Sündhaft teure Mietwohnungen, die Gebaut werden. Was soll das werden, wenn es fertig ist? Eine riesige Bürolandschaft, zu der dann die Angestellten aus ihren Wohnungen irgendwo im Umland angefahren kommen?
Es ist doch immer (bei vielen unserer Politiker auf jeden Fall) von der “lebendigen Stadt” die rede - wie soll das funktionieren, wenn in einer Stadt kein Mensch mehr wohnt? Man muss sich doch nur mal anschauen, wie mitten in ein gewachsenes viertel wie St. Pauli eine Büromissgeburt nach der anderen - bestes Beispiel die ehemalige Bavaria-Brauerei - hingesetzt wird. Oder dieser Grottenhaft schlechte versuch irgendwelcher Architekturpraktikantenversager, eine “Hafencity” zu bauen - da sind zwar schon Leute hingezogen (wahrscheinlich nur, weil es Teuer und angeblich “In” ist), aber so weit ich weiss, ziehen da viele auch schon wieder weg - wer möchte auch schon ständig in einer Legoland Siedlung von Touristen angegafft werden und mit den ganz speziellen Problemen leben, die sich beim Wohnen an einer Industriekloake am Wasser an der Elbe ergeben, z.B. Ratten, Insekten und anderes Ungeziefer.
Ach ja, alles natürlich nur für die Leute, die sich so etwas leisten können, Familien mit Kindern, Arbeitslose oder die Masse an Menschen, die mittlerweile nur noch knapp über dem Existenzminimum verdienen, in kaum einer Statistik auftauchen und sich trotzdem nichts leisten können, die sehen da ganz alt aus. Aber kein Problem, die werden dann irgendwo ins Umland oder Ghettosiedlungen abgeschoben - da können sie dann vor sich hin vegetieren. Und wenn sich die Stadt dann tatsächlich mal “erbarmt” und den Menschen was gutes tuen will - dann werden Strassen erneuert. Es gibt ja auch wirklich nichts wichtigeres in einer Stadt, in der man (fast) alles mit dem Fahrrad oder Öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann, als Strassen zu bauen.
Hauptsache, unser Spassbürgermeister und seine Speichellecker kommen ohne Schlaglöcher zu ihren Häusern und Altbauwohnungen… Ach ja, und Parkplätze - die hätte ich ja fast vergessen. Unglaublich wichtig, das wir in dieser Stadt MASSEN an Parkplätzen haben. Wie wäre es denn, wenn die Stadt den Stadtpark einfach um die Hälfte verkleinert und da Parkplätze bauen lässt? Und Büros? Irgendwer wird da dann schon das eine oder andere Büro anmieten (vielleicht), und Parkplatzsucher finden sich doch immer, oder?
Ich hatte schon nach einem Jahr im Ausland Schwierigkeiten damit, einige Stadtteile wieder zuerkennen. Wie soll das eigentlich dann in 10 oder 20 Jahren aussehen hier?
Manchmal kann man schon verzweifeln an dieser Stadt.
(Bild: DryIcons und eine Architektonische Glanzleistung.)






