Unwillkommene Geschenke…

29 07 2008

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Ich habe etwas geschenkt bekommen! Na ja, nicht nur ich, sondern alle Hamburger. Und zwar einen Haufen Terroristen Touristen, einen Blau “Illuminierten” Hafen, und – die Cruise Days. Auf jeden Fall meint das der Geschäftsführer der Hamburg Marketing GmbH in Springers Senatsgazette:

Die Reedereien steuern extra auf ihrer Route Hamburg an, Passagiere verlassen hier das Schiff, und neue Leute steigen ein – ein wunderbares Ereignis. Ein Tag der offenen Tür wäre weder finanzierbar gewesen noch aus Gründen der Sicherheit überhaupt zugelassen. Die Reedereien haben der Stadt ein Geschenk gemacht, und die Stadt präsentiert es in einem würdigen Rahmen, nämlich der Illumination des Hafens als “Blue Port”. Und das ist natürlich auch ein besonderes Geschenk an alle Hamburger und die Besucher der Stadt.

Nun ja, die Menschen, die in Hafennähe wohnen, werden das eventuell anders sehen (ich kenne das ja noch aus meiner Zeit auf dem Kiez) und vielleicht doch eher denken, “schon wieder so viele Sch*** Touristen“. Aber es geht ja dabei nicht um Hamburger, da kann der Herr Kausch noch so viel Erzählen, es geht wie üblich um Geld. Das Springerblatt titelt denn auch ganz folgerichtig: “Cruise Days – so nützen sie der Marke Hamburg“. Wohlgemerkt, der Marke Hamburg, niemandem sonst.

Und wenn es nach Herrn Kausch geht, ist das wohl erst der Anfang:

Hamburg ist Standort für so unterschiedliche Branchen wie u. a. Musikproduktion, Luftfahrt und Logistik. Daraus können wir immer neue Formate der Vermarktung entwickeln und kombinieren.

[...]

Wir wissen, dass Hamburg als Shopping-Metropole wahrgenommen wird. Und als eine Stadt mit pulsierenden Szenen zwischen Schanze, Reeperbahn und HafenCity. Damit setzen wir immer neue Akzente für die Wahrnehmung der Stadt. Die Stadt zu vermarkten ist eine beinahe unendliche Aufgabe. Doch das Produkt ist zum Glück einzigartig und bereits positiv besetzt. Hamburg ist sexy. Aber nicht arm.

Dazu vielleicht noch die eine oder andere Anmerkung… die pulsierenden Szenen” könnten sich, wenn das Clubsterben in dieser Stadt so weiter geht, demnächst in Luft auflösen – was übrig bleibt, wären “Szenige” Cafés a la [hier eine Kaffee-zum-gehen Kette der Wahl einsetzen], Mode- und Assessors Geschäfte und das eine oder andere Restaurant. Das, was es in jeder x-beliebigen Grossstadt auch gibt.

Und wenn das ganze Reiche, Arme, Verrückte und Normale Volk, das noch in St. PAuli wohnt, erst mal durch hohe Mieten in die Vorstädte verscheucht worden ist, dann bleibt vo Kiez auch nichts mehr übrig als Beton/Glasskästen und eine interessante Vergangenheit.

Und vielleicht der eine oder andere Bürger hinter Glas, den man dann den Touristen zeigen kann….

Es gibt Geschenke, die sollte man dem Geber einfach nur um die Ohren hauen. Und ein Tritt als ganz besonderes “Danke schön” wäre in diesem Fall auch nicht so verkehrt!

(Bild: DryIcons und ein unwillkommenes Geschenk.)

Nachtrag: Schön übrigens, wie sich die “pulsierende Szene” inzwischen in die nähe der Hafencity verlagert hat – angeblich. Irgendwie muss man den Menschen hier ja – notfalls mit Gewalt – einprügeln, das so die Zukunft Hamburgs aussieht. Glas, Stahl, Beton – und mitten drin die Elbdisharmonie als Leuchtturm für den Touristischen Freiluftzoo Marke Hamburg.


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