Ich habe es heute versäumt, die paar Euro, die ich in der Tasche habe, gründlichst hin und her zu drehen. Das ist etwas, was man als Hartz4 Abhängiger auf jeden Fall machen sollte – mehrmals am besten, bevor man irgendetwas kaufen will. Ich habe es nicht gemacht, weil ich neugierig war. Neugierig auf diese Neue Zeitung „der Freitag“, die seit heute in neuem Gewand und mit neuem Herausgeber erscheint.
Ich habe mir den Freitag zwar schon häufiger durchgelesen (im Internet), sogar ab und an mal gekauft, aber dass ich es tatsächlich mal erwarten würde, das er erscheint, das hätte ich dann doch nicht gedacht. Das Josef Augstein die Zeitung „übernommen“ hatte, das hatte ich mitbekommen; ich dachte dann, ok, hat sich erledigt mit einer linken Zeitungsalternative in unserer Gleichgeschalteten Presselandschaft.
Erstaunt war ich dann allerdings, das, nachdem Chris von F!XMBR einen Kommentar über das neue aussehen der Internetseite des Freitag veröffentlichte, bzw. zu einer ganzseitigen Werbeeinblendung dort (zu der ich bei F!XMBR auch einen kurzen Kommentar abgab), sich der Herausgeber selber, also Herr Augstein, zu Wort meldete. In einem Blog(!). Zugegeben, einem sehr bekannten und viel gelesenen, aber trotzdem – ich wüsste nicht, das ein Herausgeber einer Zeitung in Deutschland schon mal in einem B log geantwortet hätte.
Von daher war ich dann schon gespannt, was mich mit dieser „neuen“ Zeitung erwartet, also habe ich sie mir geholt. Und (ich werde am ende des Monates mit Sicherheit über meine Dummheit jammern – immerhin bin ich Hartz4-Empfänger, da tun 25€ auf jeden Fall weh) ich bin sogar noch weiter gegangen, denn ich habe mir, nachdem ich heute ca. eine halbe Stunde Zeit hatte, um den Brillenkauf einer guten Freundin bei Fielmann abzuwarten und derweil ein paar Artikel im Freitag gelesen habe, mir eben ein Probeabo für 25€ bestellt.
Ok, um auf meine Überschrift zurückzukommen…. das heißt, das ich wahrscheinlich die letzte Woche des Monats mal wieder von Nudeln mit Tomatensauce leben werde, aber ich finde, wenn man ständig darüber jammert, das es keine vernünftigen Zeitungen in Deutschland mehr gibt, dann sollte man der Ausnahme, die evtl. tatsächlich eine Alternative zu all der angepassten Speichelleckerpresse Marke Springer, Zeit und was-weiß-ich-noch sein könnte, eine Chance geben.
Und: der Mensch lebt nicht vom Brot allein… ein bisschen Geistige Nahrung ist auch nicht das schlechteste – gerade in einer Situation, in der andere Hartz4 Leidensgenossen anscheinend auf Bildzeitungs- und Unterschichtenfernseheniveau verblöden.
In diesem Sinne, ich bin wirklich mal gespannt, was mich die nächsten 13 Wochen so erwartet… übrigens, den neugestalteten Internetauftritt finde ich ja ziemlich grausam – für meinen Geschmack ist da einfach zu viel Werbung. Aber ok, vielleicht tut sich da ja noch was – und im übrigen habe ich da heute nur ganz kurz und schnell mal von der Schule aus rein geschaut.
Update: Das ist wohl beim ersten – sehr – kurzen Blick heute Mittag untergegangen, irgendwie gibt es doch recht wenig Werbung auf der Seite… da muss ich wohl Blind gewesen sein. Ach ja, und hier gehts dann zum Freitag, zum selberlesen: Freitag.