Ich wollte ja schon länger mal ein bisschen erzählen, was ich eigentlich so mache in meinem derzeitigen – und ja wohl leider auch nur zeitlich begrenzen Job. Ich schrieb es ja schon an anderer stelle, ich habe eine Weiterbildung zum Schiffskonstrukteur mit TRIBON M3 gemacht in den letzten 7 Monaten. Die wichtigsten Module dieser Ausbildung waren “Planar Hull” und “Pipe Modelling”. “Planar Hull”, das sind alle geraden, bzw. Ebenen Stahlplatten, aus denen ein Schiff so besteht – also Spanten, Schotte, usw., inklusive aller Versteifungen, also Träger, Profile und so-genannte Kniebleche – meist dreieckige Stahlbleche, die irgendwo zur Verstärkung angebracht werden. “Pipe Modelling”, das ist der Innenausbau eines Schiffes, ganz speziell die Verlegung – das so-genannte “Routen” – von Rohren, also Pipes, in einem fertigen oder noch nicht ganz fertigem Schiffskörper.
Das ganze dann mit Hilfe dieser Software (Tribon), eigentlich nichts weiter als eine riesige Datenbank, in der jedes noch so kleine Blech, Stück Rohr, Volumenmodell (z.B. einer Pumpe, einer Maschine, eines Ventils – was auch immer) mit all seinen Daten und Abmessungen gespeichert ist und aus dem man dann Virtuell am Rechner ein fertiges Schiffsmodell erstellt und sich anzeigen (und natürlich bearbeiten) kann. Gleichzeitig können mit denselben Daten dieser Software auch verschiedene Maschinen auf einer Werft gesteuert werden, z.B. Brennschneider, die große Rohbleche in die Teile zerschneiden, die man am Rechner erstellt hat. Alles in allem schon eine faszinierende Sache, und ich muss sagen, mir macht die Arbeit mit dem Programm schon spaß!
Besonders, wenn man, wie ich gerade während meiner Zeit bei Lindenau, in den Pausen über die Werft spazieren kann und sich dieses Produkt, an dem man arbeitet – also ein echtes, großes Schiff, auch anschauen kann und die Fortschritte im Bau jeden Tag zu Gesicht bekommt. Das hat schon was!
Das liegt wohl auch daran, das Lindenau kein Riesenkonzern ist wie Blohm & Voss – HDW, die inzwischen ja alle zu Thyssen gehören, sondern eher ein “kleinerer” Betrieb.
Seit ich mein Praktikum bei Lindenau angefangen habe, bin ich jetzt also mit dieser Software dabei, Rohre in ein schiff zu verlegen, das sich auf der werft in Bau befindet – leider nur ein kleinerer Tanker. Der letzte Große Auftrag von Lindenau liegt hier zwar noch am Kai, hat aber seine Probefahrt schon hinter sich und wird wohl in den nächsten Tagen an den Reeder ausgeliefert.
Aber egal, arbeit ist arbeit, und ich bin ja froh, das Lindenau mich auch über die Praktikumszeit hinaus noch bis ende Juni beschäftigt. Damit hätte ich wirklich nicht gerechnet, nachdem ich erfahren habe, das ich mein Praktikum da machen kann und, schon vorher, gehört hatte das Lindenau Insolvenz anmelden musste.
Aber ich wollte ja erzählen, was genau ich eigentlich den ganzen Tag da so tue, außer Kaffee trinken
Am Anfang hat man mit hauptsächlich Volumen zu Modellieren gegeben. Da hieß es zum Beispiel, “wir haben hier eine Pumpe, im System ist die aber nur durch einen einfachen Kasten dargestellt und wir brauchen die Anschlüsse – und im Schiffsmodell sollte man auch schon erkennen können, um was es sich handelt”. Also drückte man mir einen Haufen Datenblätter in die Hand und ich durfte loslegen… Aus diesen – meist sehr spärlichen – Daten habe ich dann ein 3D-Modell zusammen gebaut, das die richtigen maße hat und an dem man erkennen kann, wo die Anschlüsse (meistens Flansche für Rohrleitungen) sind.
Das hört sich schon mal einfach an, das Problem ist nur, das diese Software zwar sehr gut zum bauen von Schiffen geeignet ist, in der allgemeinen Handhabung aber teilweise extrem eigenwillig reagiert… diverse absolut nicht nachvollziehbare Abstürze sorgen dafür, das einem ab und an dann doch ein langer Seufzer entweicht…
Bei den Volumen (Modellen) habe ich mich wohl ganz gut geschlagen, wenn ich mir die Reaktion meiner Vorgesetzten und Kollegen so anschaue, mittlerweile bin ich dabei Rohre zu verlegen. Drei Stück sind es zur Zeit, alles Enlüftungsrohre für mehrere verschieden Tanks. Das hört sich nicht wirklich sehr Spannend an, hat aber so seine Tücken. Alle drei Rohre beginnen ganz tief im Bauch des Schiffes und sollen weit oben im Schornstein in einem kleinenKasten, der nach außen führt, enden. Einfache Sache, denkt man sich, wenn da nicht – mal ganz abgesehen von den Tücken der Tribontechnik – noch diverses “Zeug” im Weg wäre. Also zum Beispiel die Antriebsmaschinen, Pumpen, Wände, Treppen, Geländer, Kästen, andere Tanks, und Pütt un Pann…nicht zu vergessen diverse andere Rohre!
Durch Strukturen – also Treppen, Geländer und so Zeuch – darf man nicht durch, die stehen fest. Durch viele Unterzüge (Träger) darf man nicht durch oder nur an bestimmten stellen, an denen extra Löcher sind.. Natürlich darf man nicht einfach so durch irgendwelche Maschinen mit seinem Rohr durchrouten, und wenn man Pech hat, dann arbeitet der Kollege gerade an einer anderen Leitung und verbaut einem einen schönen, einfachen Weg zum Ziel. Und natürlich kann man sein Rohr dann auch nicht einfach irgendwie kreuz und Quer legen – es soll ja immer noch Menschen geben, die das, was man da am Rechner konstruiert, dann auch tatsächlich bauen müssen. Und ins Schiff bringen. Und anschließen. Und dafür (den Maulschlüssel zum festdrehen von Schrauben oder das Schweißgerät) auch noch irgendwie Platz brauchen. Ihr seht, alles schon nicht so ganz einfach.
Und dazu dann noch die Werker, die jeden Tag mindestens 2mal im Büro stehen und Probleme haben – während man noch am Konstruieren ist. Gut, ich hab mit dem Problem “noch” nichts zu tun, ich bin ja nur als Hilfe eingestellt, aber man bekommt das halt alles mit.
Ich finde es ja auch sehr spannend, das (ich hatte da vor dieser Weiterbildung keine Ahnung von) so ein Schiff quasi beim Konstruieren entsteht… also sobald die ersten ein, zwei Zeichnungen fertig sind, geht es mit dem Bau auch schon los…. und selbst nach dem Stapellauf ist ein Schiff weder fertig (da wird noch ausgerüstet ohne ende) – noch fertig konstruiert – ist schon sehr eigen, diese Schiffbauwelt.
Ach ja, und dazu kommt dann noch das FBI der Schifffahrt… kleines Beispiel gefällig? An meiner Entlüftungsleitung, die eigentlich soweit fertig war – ich hatte tatsächlich einen weg hinaus gefunden ohne Kollisionen mit irgendeinem anderen Teil – konnte ich nicht weiterarbeiten, weil in der Zwischenzeit jemand anderes Strukturen ins Modell ein gepflegt hatte – und zwar Leiterbahnen für Kabel. Die waren zwar noch nicht fertig, aber es gab schon ein paar Überschneidungen und es hatte wenig sinn, jetzt schon die Leitung ändern zu wollen. Das passiert übrigens häufiger – es konstruieren ja zeitgleich 10-20 Leute an einem Schiff und da kommt es immer wieder vor, das einer etwas ins Modell baut, was andere dann stört…
(Was die Kollisionen angeht…. stell dir vor, du baust eine Leitung, durch die später Öl fließen soll GENAU durch ein Elektrokabel – so etwa
)
Ich versuchte also, eine andere Leitung, ein kleines Rohr mit einem kleinen Durchmesser, ebenfalls von einem Tank in den Schornstein zu Routen – das, so sagte mein vorgesetzter, täte zwar nicht unbedingt not, weil Rohre mit so geringem umfang “werden vom Werker vor Ort angepasst”, aber er meinte, ich könne es ja mal ins Modell bringen, das Rohr.
Brachte ich dann auch, und – gar nicht mal so schlecht. Das Problem ergab sich, als ich auf der Suche nach einer Vorschrift für eine andere Leitung (oder einen Flansch, Anschluss, was weiß ich) in den diversen Vorschriften des GL blätterte, ich auf einen kleinen Absatz stieß, in dem es Hieß, das diese Rohre mindestens na ja, größer halt, sein müssten.
Mehrere Vorgesetzte später, die sich durch die Massen an Vorschriften kämpften war klar – ich hab noch länger zu tun… die Leitung, die ich da mehr oder weniger zu Übungszwecken durchgelotst hatte, musste dicker werden, und damit dann auch ganz offiziell im Modell und einer Zeichnung erscheinen. Und Natürlich passte diese von mir so wunderschön durch das halbe Schiff gelotste Leitung mit ihrer neuen Dicke nirgends mehr… musste ich also komplett neu erstellen.
Ach ja, der GL, das ist der Germanische Lloyd – die Baupolizei in der Schiffahrt, die Schiffe Klassifiziert und zulässt, und die bei einem Schiff im Prinzip für jedes kleine Schräubchen ihr Ja und Amen geben muss und die eine wahre Buchstabenwüste an Vorschriften erlassen hat, durch die man sich als Konstrukteur und Schiffebauer wohl immer wieder aufs neue durchackern muss.
Tja, solcher Art ist also die arbeit, die ich im Moment mache und die ich sehr gerne auch noch länger als nur bis ende Juni (und gerne auch hier in Kiel bei Lindenau) machen würde!








