Ich weiß ja nicht, ob es noch viele Leute gibt heutzutage, die diesen Begriff überhaupt noch kennen – „Weltempfänger“. Keine Ahnung, wie ich jetzt darauf komme, aber ich habe mich gerade an mein erstes Radio erinnert – ein riesiger hölzerner Kasten, vorne mehrere Skalen, auf denen so Exotische Sachen wie „Radio Peking“ oder „Radio Moskau“ oder ähnliches stand, Links und Rechts zwei große runde Knöpfe und in der Mitte ein so genanntes „Magisches Auge“. Das, liebe Kinder, war eine seltsam grünlich leuchtende Anzeige mit zwei Balken – je näher diese Balken sich kamen, desto besser war der Empfang – etwas, was mich schon als Kind fasziniert hat (Ok, diese Anzeigen gab es auch in Rund, aber alle Röhren-Radiogeräte, die ich besaß, hatten die Anzeige in Balkenform). Ich konnte Stunden abends (oder nachts – heimlich, und ganz leise) damit verbringen, vor diesem Kasten zu sitzen und den merkwürdigen Tönen zu lauschen, die dieses Gerät von sich gab.
Manchmal – irgendwo auf der Mittel-, Kurz- oder Langwelle – konnte man seltsam abgehackte, verzerrte Menschliche Stimmen hören, die, auf Arabisch, Russisch oder in irgend etwas Asiatischem vor sich hin redeten. Ich habe mir dann häufiger vorgestellt, das diese Asiatische Stimme nicht (was wohl wahrscheinlicher war) die neuesten Produktions- und Erntezahlen auf „dem großen Marsch in die Zukunft (oder wohin auch immer sonst)“ von sich gaben, sondern das ich da einem einsamen Funker auf einem Schiff irgendwo in den weiten des Pazifik lauschte.
Das war wahrscheinlich eher selten mal der Fall, ich fand es aber trotzdem immer wieder spannend, diesen Stimmen zu lauschen. Manchmal konnte man auch Musik hören – seltsame Musik. Irgendwas Asiatisches, sehr Fremdes – oder auch durch die Verzerrung sich sehr merkwürdig anhörende Kosakenchöre oder Klassische Musik. Vielleicht kommt ja daher auch mein Faible für alle „Fremdländische“ Musik (um mal dieses etwas seltsam anmutende Wort zu verwenden – eigentlich würde man dazu wohl „Ethnische Musik“ sagen, oder so ähnlich).
Manchmal (eher selten) konnte man auch einen dieser Sender wirklich Glasklar empfangen (Sternklarer Himmel, Vollmond, Tanzende Elfen – irgendwie ließ sich das nie so wirklich ausmachen, warum man einen Sender genau jetzt so gut empfangen konnte), das war dann schon ein ganz besonderes Highlight – ich kann mich an eine Sendung irgendwo aus (Nord)-Amerika erinnern, in der fast 2 Stunden lang Blues gespielt wurde – in einer extrem guten Klangqualität. Wahrscheinlich das erste mal in meinem leben, das ich Blues wirklich richtig „zugehört“ habe.
Ein andern mal habe ich tatsächlich einer Art Kosakenchor gelauscht, und ich vermutete aus dem wenigen, was ich von dem Sprecher mitbekommen hatte, das es sich dabei um einen Sender aus Wladiwostok gehandelt haben „könnte“ – aber kann auch sein, das ich mir das einfach nur eingebildet habe – ich meinte wenigstens, das ich den Namen Wladiwostok verstanden hätte (das ganze habe ich übrigens auch nur deshalb noch in Erinnerung, weil ich nach dieser Sendung in einem Atlas geblättert habe und versucht habe herauszufinden, wo dieser Mysteriöse Ort liegen könnte (Liebe Kinder, Damals™ gab es weder Google noch dieses ominöse Internet! Da musste man tatsächlich noch in echten Büchern blättern oder jemanden fragen, der sich damit auskannte.). Das habe ich übrigens erst sehr viel später herausgekriegt. Schon erstaunlich, was manchmal so alles im Gedächtnis haften bleibt, oder?).
Was ich relativ häufig gehör bzw. mitbekommen habe, waren Morsezeichen – Faszinierend, Fremd und sehr geheimnisvoll. Damals kannte ich sie noch nicht – später, während meiner Zeit bei den Pfadfindern (Ja, ja … das ist eine andere Geschichte) und einer kurzen Zeit bei der „Amateurfunkerjugend“ (noch eine andere Geschichte …) , habe ich sie dann kennen gelernt, aber da gab es dann schon andere „Sachen“ (z.B. Mädchen), die erheblich interessanter waren als vor einer alten Holzkiste zu hocken und komischen Geräuschen zu lauschen – Obwohl, ich gebe es ja zu, ich das auch später noch ab und man mal gemacht habe – auch, wenn es dann schon eher die Schallplatte war, die mich in ihren Bann schlug (und noch immer schlägt …).
Heute höre ich übrigens immer noch sehr gerne Radio, allerdings meistens über das Internet – es gibt sehe geniale Sender weltweit und zum Glück lassen sich viele davon inzwischen über das Internet in sehr viel besserer Qualität empfangen – man muss sie nur finden.
Leider gibt es dafür kein „Magisches Auge“ oder einen einfachen Drehknopf mehr, und irgendwie ist es auch nicht mehr ganz so faszinierend wie Damals™ – aber das liegt vielleicht auch daran, das einfach die Morsezeichen, das Rauschen und die verzerrten Stimmen fehlen – wer weiß.









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