Vorwort


Vom Hügel hinter unserem Haus in Richtung Breksted, ein Haus am ende der Welt

Hab ich schon erwähnt, das ich gerne mal Elche sehen möchte? Nicht im Fernsehen, den da sieht man die Viecher ja ständig, sondern richtig echt in freier Natur und ohne Zäune. Na gut, das wird vielleicht ein Traum bleiben, außer ich werde jetzt doch noch Elch-Jäger oder sowas ähnliches. Oder, eine sehr viel Realistischere möglichkeit, ich ziehe irgendwo hin, wo die Elche ungefähr genauso penetrant im Garten und direkt am Haus hocken wie hier auf der Insel Hitra (nämlich garnicht. Es soll zwar welche auf Hitra geben, aber das ist wohl ein Gerücht. Oder es gibt hier irgendwo einen Zoo)! Womit ich auch schon – meine Güte, geht das schnell heute! – beim Thema bin: der wunderschönen und von allem, was irgendwie Spaß macht oder einem den Schädel wegballern kann,so weit wie nur irgendwas entfernte Insel Hitra! Wer jetzt von denen, die diese Seiten lesen, nicht weiß, wo das ist, dem kann geholfen werden!1 Hätte ich jetzt einen Scanner, wäre das einfacher, aber so geht es halt auch! Ihr müßt euch nur einen Atlas oder ähnliches besorgen und dann die Seite aufschlagen, auf der Norwegen drauf ist. Wer das nicht findet, Schweden und Skandinavien sollten ja bekannt sein, und Norwegen ist eigentlich so etwas wie die Küste von Skandinavien mit ein Büschen Berg dabei!


Links die grosse Insel ist Hitra, Rechts der Rote Punkt Trondheim

Ok, jetzt suchen wir einfach das Teil von Norwegen, wo’s eng wird, also der Dicke untere Teil in den dünnen übergeht :-) . Da liegt auch eine größere Stadt, Trondheim. Westlich, also links davon (ich gehe mal davon aus, das ihr die Karte richtig herum haltet), liegt eine größere Insel bzw. sind das eigentlich Stücker 3. Hitra (die größte), darüber Frøya, und daneben noch Smøla, die kleinste der drei. Die spielt aber in diesem Bericht (hoffe ich mal) keine rolle und ist außerdem schon deshalb nicht interessant, weil sie nicht in ,,unserem„ Distrikt liegt. ,,Wir„ gehören nämlich zu Sør-Trøndelag, während Smøla zu Møre og Romsdal gehört. Distrikte sind sogenannte Verwaltungs-Gebiete, kann man wohl ganz grob mit Bundesländern in ,,Good Old Germany„ vergleichen. Nun denn, wie beschreibt man – in diesem Fall ich, ein Mensch, der 3 Viertel seines Lebens in der Großstadt verbracht hat und schon mal eine Ziege mit einem Reh verwechselt hat (watt peinlich!) – eine Insel, auf der gerade mal 6000 Einwohner leben und die ungefähr 50km lang und 20km breit ist? Zumal ich ja nur einen ganz kleinen Teil der Insel gesehen habe. Nämlich ungefähr den Teil, den ich mit dem Fahrrad abgefahren bin, unsere kleine Insel, auf der wir leben, und den Teil, den wir gesehen haben, wenn wir mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren sind. Aber dazu später mehr.

Die Insel besteht zum größten Teil aus Stein; so eine Art Hügellandschaft mit Gebirgs-Charakter (hab ich das jetzt schön gesagt?) und Heide Landschaft. Wobei das ganze (ich kenne das nur aus Photos) ein bißchen an die Schottischen Highlands erinnert. Außerdem jede menge Moore bzw, Hochmoore. Wobei, das ist nur eine Vermutung (wie schon erwähnt, ich komme von der Stadt), aber es ist, egal, wo man hinläuft hier, und wenn es auf einen Berg ist, naß! Jede Menge Tümpel und Bäche und, und, und. Ab und zu mal eine Tanne und irgendwelches Kruppzeug, das ich mal ganz grob als Birken bezeichnen würde. Falls ich irgendwann in diesem Leben nochmal meine Photos wieder bekomme 2, dann könnt ihr euch selber einen eindruck verschaffen. Oder noch besser: Ihr Fahrt einfach selber mal hierher und schaut es euch an. Es ist wirklich schön!


Vom Hügel aus ein Blick auf Hochmoor und Meer auf Fjellværøya

Etwa 600 der Einwohner von Hitra leben auf zwei kleinen Inseln, die von der Hauptinsel nur durch Brücken zu erreichen sind. Zum einen eine etwas größere, die heißt Fjellværøya und beherbergt zwei Dörfer, Fjellvær und Nordbotn, und zum anderen Ulvøya mit den Dörfern Knarrlagsund, Ulvan und Selvåg. Ich fange mal einfach mit der Insel Fjellvær an. Ich hab einmal im Sommer, es waren angenehme 23 Grad, Strahlend Blauer Himmel und kein Wind – für mich das absolute Traumwetter! – mit dem Fahrrad eine Tour rund um dieses Eiland gemacht und war völlig begeistert! Wobei das schon eine Tour mit kleinen Hindernissen war: Die Hauptstraße, die einmal rund um die Insel führt, ist nur ein Schotterweg, der eigentlich aus nichts anderem als Schlaglöchern besteht, und die Straße selber führt, so hatte ich zu mindestens den eindruck, nicht etwa um die Berge herum (von denen es, ich erwähnte es schon) sondern mitten hinüber. Für jemanden, der sonst Fahrrad nur in Hamburg (und nicht in Blankenese!) gefahren ist, eine kleine, aber um so schwierigere Umstellung, und man ist ja auch nicht mehr der jüngste!

Angefangen habe ich die Tour auf der Südseite, da geht die Hauptstraße, von Fillan über Ansnes (und dann eine große Brücke (kommt alles noch!) nach Fjellvær und dann nur ein kurzes Stück durch Fjellværøya und dann über noch eine Brücke nach Knarrlagsund. Da kann man dann rechts abbiegen und landet auf besagtem Schotterweg, der dann im Prinzip einmal rund um die Insel führt und dann kurz vor der Brücke nach Knarrlagsund wieder auf die Hauptstraße führt. An diesem Weg liegen dann ab und an mal ein Haus oder eine Abzweigung, die dann zu einer Ansammlung von zwei, höchstens drei anderen Häusern führt. Nach etwa 11 km landet man dann auf der Hauptstadt dieser Insel, die auch Fjellvær heißt. Ein kleines Dorf, nichts besonderes, außer das daß Dorf einen Anschluß an die große, weite Welt hat, nämlich einen Fähranleger! An dem legt (wenn ich den Plan richtig Interpretiert habe) ungefähr zweimal in der Woche ein sogenanntes Hurtigbåt 3 an, das von Frøya kommend, Inselflüchtlinge und andere Menschen nach Trondheim oder Kristiansund bringen kann. Also mit anderen Worten:

Zurück in die Zivilisation .

Wenn man dann der Straße weiter folgt, dann landet man (ich in diesem Fall nicht, da ich irgendwo falsch abgebogen bin und dann irgendwann im inneren der Insel in einem Kaff stand, an dessen Namen ich mich nicht mehr erinnere, das aber tatsächlich einen Namen hatte, was ich erstaunlich fand, den es bestand nur aus drei Häusern, und wieder umdrehen mußte, um zurück zur Hauptstraße zu kommen…) irgendwann in Nordbotn. Das ist jetzt allerdings ein Dorf, das gut in eine Photosammlung ,,Die schönsten Dörfer Norwegens„ passen würde! Richtig nett, das Dorf liegt einmal um einen kleinen Fjord herum mit einem kleinen Hafen und einer richtigen und auch noch schönen, aus Holz gebauten Kirche. Irgendwie kommen da Erinnerungen an Astrid Lindgrens Kinderbücher, vor allem an ,,Die Kinder von Bullabü„ – wenn ich den Titel jetzt noch richtig im Kopf habe.


Nordbotn, die Kirche. Hier hab ich erstmal eine Stunde draußen gesessen und die Landschaft genossen

Von Nordbotn aus kommt man dann nach einer weiteren Fahrt über Stock und Stein und etwa 9km Länge, dann an der bereits erwähnten zweiten Brücke an, die dann nach Knarrlagsund führt. Einige Leute, die das Glück hatten, und von mir mit Postkarten ,,beehrt„ worden sind, können sich das Bild jetzt anschauen: genau die Brücke ist es und den Blick, den man von da nach Knarrlagsund hat (was auf der Karte links die Häuser am Wasser sind) kann man sich wohl auch vorstellen! Einfach Schön! ,,Über diese Brücke mußt du geh’n„, und schon landest du auf Ulvøya, der Insel, auf der wir zur Zeit noch leben! Diese Insel ist nun gerade mal 5×5km lang wie breit, aber beherbergt wohl den Hauptteil der 600 Einwohner. Hier ist zum einen Knarrlagsund, was man ja auf der Postkarte (hätt ich bloß einen Scanner!) sehen kann, und das, soweit ich das weiß, die eine von wohl zwei Kneipen (auf ganz Hitra!) sein eigen nennt sowie den Joker, ein Einkaufsladen mit integrierter Post und Tankstelle, Hafen, Holzlager und anderem. Das ist sehr praktisch, den sonst müßte man zum Einkaufen immer nach Fillan, dem Hauptort von Hitra fahren, und das sind mal eben 17km oder so, und mit dem Fahrrad… aber ich will ja nicht jetzt schon mit dem jammern anfangen :-)


Blick von der Brücke (von Fjellvær aus) nach Knarrlagsund

Zum anderen gibt es noch ein paar Häuser an der Hauptstraße, die bis zum anderen ende der Insel Ulvøya geht, und das nennt sich dann Ulvan. Ganz am ende der Straße liegt eine große Fisch-Fabrik, die gehört zu Marine Harvest, einem großen norwegischen Fisch-Produzenten, da wird Lachs verarbeitet. Deshalb ist auf der Straße auch öfters mal ein LKW zu sehen, wo man ansonsten nur mal ab und zu einen normalen Wagen (und ein Pferd, aber dazu später…) erwarten würde. Deshalb ist das fahren mit dem Fahrrad hier auch nicht ganz ungefährlich, denn die LKW’s rasen hier lang, als wenn es kein morgen mehr geben würde! Soweit die eine Seite der Insel, wenn man kurz hinter der eben schon erwähnten Brücke (die heißt übrigens ,,Knarrlagsundbrua„) dann rechts in einen Feldweg abbiegt, dann kommt man über eine Strecke von ca. 1km an ungefähr 6 Häusern vorbei und landet ganz am ende auf einer Kehre. Das ist Selvåg, der Ort, in dem ich jetzt gerade sitze und diese Seiten in meinen PC hämmere und hoffe, das das auch mal irgendwer liest. Wer es genau wissen will: wir leben in dem großen weißen Haus linkerhand kurz vor dem ende der Straße – das mit der Veranda und dem Balkon 4.


„Unser“ Haus, plus Teile meiner Jacke… ich bin nicht wirklich der begnadete Photograph gewesen…

Hier leben außer uns noch unser Vermieter, Kjell Larsson, der noch ein Stück weiter, einen kleinen Feldweg längs in einem Haus direkt am Meer wohnt, Olaf Bergen, unser Vorarbeiter von HitraMat, der in einem kleinen Häuschen praktisch direkt gegenüber – nur getrennt durch ein paar Bäume – wohnt ansonsten nur noch 2 oder drei Familien in den Häusern in Richtung Knarrlagsund. Der ganze Rest an Häusern (zum Teil nur kleine Hütten, aber alle ganz nett) sind wohl Ferienwohnungen, die im Sommer und in der Fisch-Saison an Urlauber vermietet werden und jetzt (ich schreibe das hier im November 2003) zum größten Teil leer stehen. Hab ich das schon erwähnt? Hitra ist wohl ein Paradies für Angler, deshalb waren im Sommer jetzt auch viele Touristen da, von denen ein großteil aus Deutschland kam. Man sollte natürlich richtig Angeln können, ansonsten gibt es ja auch Leute, die nehmen ihre Angel nur mit, wenn sie auf ,,Pilzjagd„ gehen (nicht war, Rudi?) – aber auch dazu später mehr.

Fast gleich hinter unserem Haus, man muß nur noch an einem anderen Haus vorbei, das aber meistens leersteht, kommt man an das Meer bzw. eine Bucht, an der ein paar Bootshäuser stehen und von wo man einen tollen Blick auf den Atlantik und ein paar kleine Inseln oder Felsen im Meer hat. Apropos Bootshäuser: die stehen hier überall an der Küste, sind meistens Rot wie auf typisch Norwegischen Bildern, und mir scheint, das ein Norweger ohne Boot und Bootshaus wohl nur ein halber Norweger ist. Ein Boot hat hier jeder – sei es zum Angeln, einfach nur zum rausfahren oder tatsächlich als Verkehrsmittel, um zu einer abgelegenen kleinen Hütte auf einer einsamen Insel zu einem Stelldichein oder so zu kommen. Was weiß ich schon, was die Norweger hier so in ihrer Freizeit treiben? :-)


Gleich hinterm Haus. Ein kleiner Fjord und ein nicht mehr ins Bild passende Bootshaus.

Mittlerweile, nach mehreren Monaten auf Hitra und ein paar Monaten in Tromsø, kann ich zu mindestens diese Frage beantworten (wenigstens Teilweise). Es wird gesoffen! Und das in einem Ausmaß, das schon fast unanständig ist. Da kommt dann nicht, wie das so in Deutschland üblich wäre, das billig-Bier von der Tanke zum Einsatz, nein, da wird sich der Schädel mit irgendeinem Selbst gebrannten absolut und unaufhörlich voll geschüttet, bis nichts mehr geht. Dieser Hjemmebrann ist dann auch so ziemlich das widerlichste, was ich bisher getrunken habe! Und ich muß sagen, ich hab ja schon eine menge getrunken. Das Zeug, das wir bei uns im Haus hatten (angeschleppt über irgendwelche dunklen Kanäle, angeblich ein Bauer – der Nachbar von Christian, und ein Arbeitskollege), schmeckte fürchterlich! Man konnte es nicht mal verdünnt im Kaffee, Tee oder sonstwodrin genießen, weil alles, aber auch wirklich alles dann nach diesem Zeug schmeckte und roch. Es roch übrigens dann so, als wenn man mal eben einen kleinen leckeren Schluck Benzin von der nächsten Tankstelle zu sich genommen hätte. Hört sich schlimm an, oder? Nun, wir waren auf jeden Fall nach ein/zwei Monaten schon abgehärtet, und haben das Zeug dann gegen ende unseres Aufenthaltes auf Hitra (danke Alex, – von ihm kam die Idee) schon Pur getrunken! ,,Ziemlich Krass„, würde ich jetzt normalerweise sagen, aber da ich bisher noch nicht Blind geworden bin, kann es ja – abgesehen mal vom Geschmack – nicht so schlimm gewesen sein!

Tja, mit diesen Weisen Worten beende ich dann das Vorwort, das ich irgendwann im September letzten Jahres angefangen habe, und jetzt, im Mai, also die letzten Worte dazu schreibe. Vielleicht fällt mir noch was ein, ansonsten geht es gleich richtig weiter mit dem eigentlichen Bericht.

<- Norwegen Hamburg ->



Fußnoten


werden!
1
Da fällt mir doch zu dem Satz ,,Hätte ich einen Scanner,
hätt ich Bilder da„ das Lied von Ernie aus der Sesam Straße ein:,,Hätt
ich dich heut erwartet, hätt ich Kuchen da!„

… bekomme2
Ok, ich bin ja auch nicht der schnellsten einer, aber was
die Norweger angeht, so sind sie auch nicht gerade das, was man im
landläufigen Sinne als schnell bezeichnen würde

… Hurtigbåt3
Was ist ein Hurtigbåt? Wer in Hamburg wohnt, der braucht
sich nur an die Landungsbrücken zu stellen und sich die Fähren nach
Stade und nach Helgoland anzusehen. Das sind fast dieselben Boote,
und wenn ich richtig informiert bin, ist der Reeder der
Helgoland-Linie sogar derselbe wie der hier!

… Balkon4
Eigentlich eine bescheuerte Beschreibung, eine Veranda hat
hier eh jedes Haus, weiß (oder Rot) sind hier auch die meisten
Häuser, aber Ok, einen Balkon haben nicht alle!

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