
Gestern war Autofreier Sonntag (mal wieder) und ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, mir auf der Langen Reihe eine Diskussion anhören zu können, an der auch die Senatorin für Stadtentwicklung und Umwelt, Anja Hajduk, teilnahm. Ein Satz von ihr ist mir während dieser Diskussion ganz besonders aufgefallen: “Wir finden das gut und deshalb machen wir das auch!“. Boshaft wie ich nunmal bin, frage ich mich natürlich, warum dann überhaupt noch diskutieren oder mit den Bürgern sprechen, wenn das, was sie (und ihre Parteikollegen) gut finden, sowieso gemacht wird? Aber eigentlich wollte ich ja über dieses Shared Space reden, dieses neue, tolle Konzept aus den Niederlanden, dass bei dieser “Diskussion” vorgestellt wurde.
Es geht bei diesem Konzept um das “gleichberechtigte teilen” der Strasse, um “rücksichtnahme“. Und nebenbei werden alle Ampeln und Verkehrsschilder abgeschafft, und Bürgersteige, Radwege usw. sind nur noch “angedeutet“.
Nun ja, wäre da nicht die Senatorin gewesen, ich hätte es für eine etwas Boshafte Kabarettveranstaltung gehalten, so frage ich mich ernsthaft, wie gross ist der Realitätsverlust von Politikern?
Wir reden hier von (ich weis nicht wie viel tausenden) Autofahrern täglich, die in oder durch die Innenstadt fahren. Als langjähriger Fahrradfahrer kann eigentlich nur sagen, die “rücksichtnahme” von Autofahrern gegenüber Fahrrädern und Fussgängern hat in den letzten Jahren eher abgenommen. Anstatt dafür zu sorgen, das Autofahrer einfach nicht mehr durch die Lange Reihe fahren wollen – durch diese Strassenhuckel und sonstige massnahmen – werden Ampeln abgebaut!
Um mal bei der Langen Reihe zu bleiben – geplant sind diese “Shared Spaces“, soweit ich weis, ja für jeden Bezirk, z.B, auch in der Osterstrasse, als Modellversuch – wie lange wird eine gehbehinderte alte Frau wohl dann brauchen, um über die Strasse zu kommen, und wann wird das erste Kind – dank der “rücksichtnahme” eines Autofahrers angefahren?
Um mal meine Meinung hier kundzutun… Autos weg aus der Innenstadt! Durchgehend Tempo 30, Strassenhuckel auf allen Strassen, eine Maut für jeden, der mit dem Auto in die Innenstadt will (z.B. alles innerhalb des Ring 1), Massiver Ausbau von Fahrradwegen und sehr viel Billigere Öffentliche Verkehrsmittel! Das ist das einzige, was hilft, den Verkehr in dieser Stadt (und nicht nur in Hamburg!) wieder einigermassen verträglich zu machen und die Strassen dann tatsächlich denen “zurückzugeben”, die dort wohnen.
Seitdem es Autos gibt wird Rücksicht genommen – auf die Autofahrer! Es wird höchste Zeit, das sich das endlich mal ändert, auf die Rücksicht von Autofahrern zu Spekulieren ist so ziemlich das dümmste, was man machen kann! Und vielleicht sollte man es den Leuten einfach mit der Holzhammermethode klar machen:
Kein Mensch, der in einer Grossstadt wohnt, braucht ein Auto!
Und natürlich: Macht den Öffentlichen Nahverkehr billiger!
Mehr Infos zu Shared Space:
Nachtrag: Zur Zeit gibt es 7 Europäische Gemeinden, die anscheinend dieses Projekt verwirklicht haben:
- Gemeinde Haren / Niederlande
- Gemeinde Emmen / Niederlande
- Provinz Fryslân in den Niederlanden
- Gemeinde Oostende in Belgien
- Stadt Bohmte in Deutschland
- Gemeinde Ejby in Dänemark
- Grafschaft Suffolk in England
Ich würde mal behaupten, das da nicht eine Grossstadt mit dem Verkehrsaufkommen wie in Hamburg dabei ist.