Weltempfänger …

16 11 2009

altes_radio.jpgIch weiß ja nicht, ob es noch viele Leute gibt heutzutage, die diesen Begriff überhaupt noch kennen – „Weltempfänger“. Keine Ahnung, wie ich jetzt darauf komme, aber ich habe mich gerade an mein erstes Radio erinnert – ein riesiger hölzerner Kasten, vorne mehrere Skalen, auf denen so Exotische Sachen wie „Radio Peking“ oder „Radio Moskau“ oder ähnliches stand, Links und Rechts zwei große runde Knöpfe und in der Mitte ein so genanntes „Magisches Auge“. Das, liebe Kinder, war eine seltsam grünlich leuchtende Anzeige mit zwei Balken – je näher diese Balken sich kamen, desto besser war der Empfang – etwas, was mich schon als Kind fasziniert hat (Ok, diese Anzeigen gab es auch in Rund, aber alle Röhren-Radiogeräte, die ich besaß, hatten die Anzeige in Balkenform). Ich konnte Stunden abends (oder nachts – heimlich, und ganz leise) damit verbringen, vor diesem Kasten zu sitzen und den merkwürdigen Tönen zu lauschen, die dieses Gerät von sich gab.

Manchmal – irgendwo auf der Mittel-, Kurz- oder Langwelle – konnte man seltsam abgehackte, verzerrte Menschliche Stimmen hören, die, auf Arabisch, Russisch oder in irgend etwas Asiatischem vor sich hin redeten. Ich habe mir dann häufiger vorgestellt, das diese Asiatische Stimme nicht (was wohl wahrscheinlicher war) die neuesten Produktions- und Erntezahlen auf „dem großen Marsch in die Zukunft (oder wohin auch immer sonst)“ von sich gaben, sondern das ich da einem einsamen Funker auf einem Schiff irgendwo in den weiten des Pazifik lauschte.

Das war wahrscheinlich eher selten mal der Fall, ich fand es aber trotzdem immer wieder spannend, diesen Stimmen zu lauschen. Manchmal konnte man auch Musik hören – seltsame Musik. Irgendwas Asiatisches, sehr Fremdes – oder auch durch die Verzerrung sich sehr merkwürdig anhörende Kosakenchöre oder Klassische Musik. Vielleicht kommt ja daher auch mein Faible für alle „Fremdländische“ Musik (um mal dieses etwas seltsam anmutende Wort zu verwenden – eigentlich würde man dazu wohl „Ethnische Musik“ sagen, oder so ähnlich).

Manchmal (eher selten) konnte man auch einen dieser Sender wirklich Glasklar empfangen (Sternklarer Himmel, Vollmond, Tanzende Elfen – irgendwie ließ sich das nie so wirklich ausmachen, warum man einen Sender genau jetzt so gut empfangen konnte), das war dann schon ein ganz besonderes Highlight – ich kann mich an eine Sendung irgendwo aus (Nord)-Amerika erinnern, in der fast 2 Stunden lang Blues gespielt wurde – in einer extrem guten Klangqualität. Wahrscheinlich das erste mal in meinem leben, das ich Blues wirklich richtig „zugehört“ habe.

1084 klein 02 Roehrenradio Siemens.jpegEin andern mal habe ich tatsächlich einer Art Kosakenchor gelauscht, und ich vermutete aus dem wenigen, was ich von dem Sprecher mitbekommen hatte, das es sich dabei um einen Sender aus Wladiwostok gehandelt haben „könnte“ – aber kann auch sein, das ich mir das einfach nur eingebildet habe – ich meinte wenigstens, das ich den Namen Wladiwostok verstanden hätte (das ganze habe ich übrigens auch nur deshalb noch in Erinnerung, weil ich nach dieser Sendung in einem Atlas geblättert habe und versucht habe herauszufinden, wo dieser Mysteriöse Ort liegen könnte (Liebe Kinder, Damals™ gab es weder Google noch dieses ominöse Internet! Da musste man tatsächlich noch in echten Büchern blättern oder jemanden fragen, der sich damit auskannte.). Das habe ich übrigens erst sehr viel später herausgekriegt. Schon erstaunlich, was manchmal so alles im Gedächtnis haften bleibt, oder?).

Was ich relativ häufig gehör bzw. mitbekommen habe, waren Morsezeichen – Faszinierend, Fremd und sehr geheimnisvoll. Damals kannte ich sie noch nicht – später, während meiner Zeit bei den Pfadfindern (Ja, ja … das ist eine andere Geschichte) und einer kurzen Zeit bei der „Amateurfunkerjugend“ (noch eine andere Geschichte …) , habe ich sie dann kennen gelernt, aber da gab es dann schon andere „Sachen“ (z.B. Mädchen), die erheblich interessanter waren als vor einer alten Holzkiste zu hocken und komischen Geräuschen zu lauschen – Obwohl, ich gebe es ja zu, ich das auch später noch ab und man mal gemacht habe – auch, wenn es dann schon eher die Schallplatte war, die mich in ihren Bann schlug (und noch immer schlägt …).

Heute höre ich übrigens immer noch sehr gerne Radio, allerdings meistens über das Internet – es gibt sehe geniale Sender weltweit und zum Glück lassen sich viele davon inzwischen über das Internet in sehr viel besserer Qualität empfangen – man muss sie nur finden.

Leider gibt es dafür kein „Magisches Auge“ oder einen einfachen Drehknopf mehr, und irgendwie ist es auch nicht mehr ganz so faszinierend wie Damals™ – aber das liegt vielleicht auch daran, das einfach die Morsezeichen, das Rauschen und die verzerrten Stimmen fehlen – wer weiß.





Rettet die Clubs unter der Sternbrücke Petition

3 09 2009

Wem daran gelegen ist, das die Hamburger Clubszene irgendwie erhalten bleibt, der sollte hier klicken und unterschreiben!

Worum es uns geht:

1. Rückkehr der Clubs nach Abschluss der Sanierung der Sternbrücke an die alte Wirkungsstätte

2. Zur Verfügungstellung eines geeigneten Übergangsquartiers für die Zeit der Sanierung

3. Unterstützung von Politik, Behörden & Bahn

[...] vor einem guten Jahrzehnt konnte sich niemand so richtig vorstellen, dass man überhaupt attraktive Nutzungen für die Immobilien in und um die 1893 errichtete Sternbrücke finden könnte. Doch genau in dieser Nische hat sich in den letzten 12 Jahren mit dem Fundbureau, der Astrastube und dem Waagenbau einer der wichtigsten Subkultur-Standorte in Hamburg entwickelt [...]

(Via Rettet die Clubs unter der Sternbrücke Petition.)





Rundumbeschimpfung, Deutschlehrer und Lyrik…

15 03 2009

Eigentlich kann man ja von Glück reden, das es in Deutschland noch Öffentlich-Rechtliche Sender gibt (trotz des ganzen gemeckers und der GEZ), ansonsten wüsste ich nicht, wo es Sendungen wie die Verleihung eines Kleinkunstpreises, der Anstalt und andere zu sehen wären… bei den Privaten? Das mit Abstand Intelligenteste, was ich da in letzter Zeit gesehen habe, war Genial daneben – und das nervt manchmal auch schon ganz schön, obwohl ich es immer noch ab und zu mal sehe. Aber richtig gutes (und vor allem auch Politisches) Kabarett? Das habe ich bei den Privaten bisher noch gar nicht gesehen…

Gestern abend gab es die Verleihung des Deutschen Kleinkunstpreises 2009 auf 3sat. Es fing gleich gut an, Wilfried Schmickler machte mal eben eine kleine Rundumbeschimpfung von allen, die in Deutschland Rang und Namen haben (Teil 1)…

Übrigens ist auch Kurt Beck im Publikum… Alleine sein gequältes Gesicht ist schon eine echte Augenweide ;-)

Leider ist Youtube das Original von mir zu lang, deshalb musste ich das Video in zwei Teilen hochladen. Hier Teil 2:

Der Deutschlehrer. Von Sebastian Krämer (Auszeichnung in der Sparte Chanson/Lied/Musik):

Und zum Schluss ein wenig Lyrik von Uta Köbernick (Förderpreis der Stadt Mainz):





SXSW: Musik!

27 02 2009

Wer Lust hat, massenweise neue Musik zu hören, der kann sich ja die beiden Torrents (jeweils ca. 2,5 GB) hier und hier herunterladen. Da sind alle Stücke drin, die man sich ansonsten auf der offiziellen SXSW-Homepage heraussuchen muss – oder kann :-)

Mehr Infos über das SXSW gibts unter anderem hier. Viel spass beim hören!





Owê wie jæmerlîche

21 02 2009

Gerade eben beim Duckhome* eines der schönsten Lieder von Ougenweide „wieder“entdeckt* – Owê wie jæmerlîche. Und es passt Jahrhunderte, nach dem Walther von der Vogelweide den Text schrieb, auch heute noch:

Text:

Owê wie jæmerlîche junge liute tuont,
den ê vil hovelîchen ir gemüete stuont !
die kunnen niuwan sorgen: owê wie tuont si sô ?
swar ich zer werlte kêre, dâ ist nieman vrô:
tanzen, lachen, singen zergât mit sorgen gar:
nie kristenman gesach sô jæmerliche schar.
nû merkent wie den vrouwen ir gebende stât:
die stolzen ritter tragent an dörpellîche wât.
uns sint unsenfte brieve her von Rôme komen,
uns ist erloubet trûren und vreude gar benomen.
daz müet mich inneclîchen (wir lebeten ie vil wol)
daz ich nû für mîn lachen weinen kiesen sol.
die vogele in der wilde betrüebet unser klage:
waz wunders ist ob ich dâ von an vreuden gar verzage ?
owê waz spriche ich tumber man durch mînen böesen zorn ?
swer dirre wünne volget, hât jene dort verlorn.

Übersetzung:

O weh, wie kläglich

O weh, wie kläglich führen sich die jungen Leute auf,
die einst so heiteren Gemütes waren!
Die können heute nichts anderes als sich grämen. O weh, warum führen sie sich so auf?
Wohin ich mich auf dieser Welt wende, niemand ist heiter.
Tanzen, Lachen, Singen geht vor lauter Sorgen verloren,
nie hat ein Christenmensch so klägliche Zeiten gesehen.
Seht auch an, was die Frauen für einen Kopfputz tragen!
Die edlen Ritter tragen Bauernkittel.
Wir haben ungute Briefe aus Rom bekommen,
wir haben die Erlaubnis zu trauern und das Verbot,uns zu freuen, erhalten.
Es tut mir unsäglich leid (früher lebten wir so gut),
daß ich jetzt mein Lachen gegen Weinen eintauschen muß.
[Selbst] die wilden Vögel betrübt unsere Klage;
ist es da ein Wunder, wenn ich darüber ganz verzweifelt bin?
Was aber rede ich Tor da in meinem schlimmen Zorn?
Wer der [irdischen] Freude anhängt, hat die im Jenseits verloren.

Text: Walther von der Vogelweide

Text und Übersetzung von hier

* Man sollte übrigens öfters mal beim Duckhome lesen – ich kann ihn nur empfehlen!





Blues!

11 02 2009





Büffelkackesong

9 10 2008

Hatte ich schon mal erwähnt, das Berliner eindeutig einen Schaden haben? :-D hier ist der Beweis:





If you leave, you may find yourself without food, without water, without accommodation and without protection.

6 10 2008

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Manchmal passiert es, das ich einen Blogeintrag irgendwo lese, und sofort kommt mir dazu eine Musik in den Kopf. So geschehen gerade bei diesem Text von Stefan Niggemeier:

In Großbritannien ist in der vergangenen Woche der Text veröffentlicht worden, der in den siebziger Jahren im Radio im Fall eines Atombombenanschlags auf das Land durchgegeben werden sollte [pdf]. Er beginnt mit den Sätzen:

This is the Wartime Broadcasting Service. This country has been attacked with nuclear weapons. Communications have been severely disrupted, and the number of casualties and the extent of the damage are not yet known. We shall bring you further information as soon as possible. Meanwhile, stay tuned to this wavelength, stay calm and stay in your own homes. [...]

Mir kam dabei – abgesehen von einem Schauder – sofort der Song „Two Tribes“ von Frankie Goes To Hollywood in den Sinn. Die 12-Inch-Single, von der hier bei der Wikipedia die Rede ist, hatte ich mir bei Erscheinen damals gekauft:

The first 12-inch mix („Annihilation“) started with an air-raid siren, and unfolded as a ground-breaking extended deconstruction and reinvention of the basic track, including Allen’s starkest advice about how to tag and dispose of family members should they die in the fallout shelter (taken from the public information film Casualties).

Woran man bei einem Blogtext doch so alles erinnert wird… dabei fällt mir ein, ich war Damals™ sogar mit meiner Freundin beim Konzert von Frankie – im grossen Saal im Hamburger CCH – und ich Schwör, ich habe noch nie, und nie wieder, diese Absolut Konzertuntaugliche Halle so dermassen ausser Rand und Band gesehen. War ein geiles Konzert! :-)

So, und jetzt werde ich mir noch mal das Video anschauen, das ist nämlich auch immer noch sehr Genial:

(Bild: Wikipedia.)

Nachtrag: Mit fällt übrigens gerade auf, das Lied ist jetzt wohl 25 Jahre Alt. Wahnsinn…





R.I.P. Richard Wright

15 09 2008

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Irgendwie hatte ich ja immer gehofft, das eine meiner erklärten Lieblingsbands dann doch noch mal zusammen kommen und ich sie noch mal Live erleben darf. Das hat sich jetzt leider erledigt, den Richard Wright, der Keyboarder von Pink Floyd, ist Tod. Das habe ich gerade bei BBC gelesen.

Ich habe einige Supergeniale Konzerte von Pink Floyd gesehen, und auch zuhause, wenn man mal wirklich entspannen und die Gedanken kreisen lassen will, gibt es eigentlichz nichts schöneres als eine der Scheiben von Pink Floyd.

Jetzt wird er ihn wohl spielen, zusammen mit all mit allden anderen Helden meiner Musik, „The Great Gig In The Sky„:

RIP





Schwarzes Loch & Weisse Katze, oder: Wir werden alle Sterben!!!1!!!elf!!!42!

10 09 2008

higgs.jpg

Es ist soweit! Wäre ich ein Jünger dieser Truppe Heiligen der letzten Tage, oder wie auch immer sich die den Wachturm verkaufenden Typen auch nennen (oder waren das die Mormonen? Egal!), ich würde so langsam anfangen, mein letztes Gebet zu sprechen und mich auf die Begegnung mit meinem Schöpfer (Wahlweise auch mit dem nicht ganz so Intelligenten Designer oder so) vorbereiten.

Alle anderen sollten sich ihren Freund/Freundin schnappen und noch ein letztes mal ins Bett zerren, den besonders gut gehüteten Schatz sündhaft teuren Whiskeys – von uralten Schotten Hand destilliert – vernichten, oder ihrem ungeliebten Nachbarn noch schnell das benutzte Katzenstreu in den Kräutergarten schütten.

Denn: Heute Startet das LHC!

Fiese, sich selbst, die Welt und das ganze Universum hassende Physiker – alle in Futuristisch anmutenden Steuerzentralen auf einem Captain Kirk-Ähnlichen Kommandosessel sitzend, Gemein-Gehässige Blicke um sich werfend, und alle eine Weisse Katze(!) auf dem Schoss streichelnd – werden in den Bergen der Schweiz den Arm heben und sagen:

„Energie!“

Könnte natürlich ein klitzekleines bisschen peinlich werden, wenn so gar nichts passiert. Aber wer, ausser Wissenschaftlern die sowieso überall Schwarze Löcher sehen wollen, glaubt das schon. Die können uns ja schliesslich viel erzählen, wenn der Tag lang kurz kürzer am kürzesten der letzte Tag ist.

(Bild: Frech vom Link oben geklaut. Da soll ein Higgs-Teilchen entstehen (schon der Name! Cool.). Also wenn der Weltuntergang so aussieht, dann dreh ich mir noch ein Tütchen zum Whiskey, hör „The End“ von den Doors und geniesse einen Sensationell Bunten Weltuntergang :-D )