Ich wohne ja in Kiel ziemlich dicht am Kanal. Heute wollte ich eigentlich mal früh ins Bett gehen, nachdem ich in den letzten Tagen doch immer sehr spät Schlafen gegangen bin. Doch daraus wurde nichts – ich bin zwar früh ins bEtt, wurde dann aber auch so gegen 24 Uhr durch eine Polizeisirene geweckt. Das ist hier in dieser relativ ruhigen gegend noch nie passiert. Dann folgte eine Sirene nach der anderen, so das ich schliesslich absolut wach war.

Ein Blick aus dem Fenster meines Hotelzimmers, im Hintergrund, da wo die Zwei Türme stehen, ist der Kanal – mit einem Haufen von Öltanks.
Ich hab dann mal kurz aus dem Fenster geschaut und siehe da, es brennt! In nächster nähe. Erst dachte ich, es währe vielleicht eins der umliegenden Wohnhäuser, aber nachdem es dann einen richtig heftigen Knall gab, bin ich dann doch mal nach draussen gegangen, um mir das Desaster vor der Tür näher anzuschauen.
Kein Wohnhaus (zum glück), dafür einer der Öltanks, die dicht an dicht entlang des Kanals stehen… Ein haufen Polizei und feuerwehr – und natürlich die Bewohner der umliegenden Häuser. Von denen habe ich dann erfahren, das die am nächsten liegenden Häuser schon evakuiert worden sind – mir kamen auch schon Menschen mit sack und Pack entgegen.
Irgendwie stelle ich mir das ja immer als einen echten Alptraum vor, ganz kurzfristig das eigene Heim verlassen zu müssen… ohne eine Ahnung, ob all das, was man so sein eigen nennt, am nächsten Tag noch da ist.
Es Brennt immer noch, an der Pension – die wohl hoffentlich weit genug entfernt ist, das hier nich evakuiert wird – ziehen Leute mit Rucksäcken vorbei, und alle paar Minuten gibt es einen heftigen Knall, wenn wieder irgendwas Explodiert. Und Dicke, Schwarze Rauchwolken ziehen (zum glück) Richtung Förde. Der Wind weht wohl Richtung Osten, ansonsten hätten wir hier wohl ein echtes Problem.

Ungefähr die selbe Richtuhng wie bei dem Bild oben, nachts kurz vor der Evakuierung aufgenommen.
Update: Tja, kaum schrieb ich den Text oben und wollte nun endlich ins Bett gehen (Hey, ich gehöre ja nun wenigstens Zeitweise zum arbeitenden Teil der Bevölkerung) da gehts erst richtig los. Die Sirenen starten ihr geheul und ein Polizeiwagen fährt durch die Strassen und fordert alle Anwohner auf, das gebiet sofort zu verlassen und sich zum Treffpunkt Famila-Parkplatz (der ist ziemlich gleich um die Ecke) zu begeben… ich packe also meine sieben Sachen zusammen – zum Glück habe ich ja nur eine Reisetasche mit – und zusammen mit der Vermieterin, die auch aufgetaucht ist, scheuchen wir den Rest des Stockwerks aus ihren Zimmern. Draussen auf der Strasse gibt es einen kleinen Stau, jeder, der hier ein Auto hat, ist natürlich damit unterwegs.
Auf dem Famila-Parkplatz gibt es 2 Busse des Örtlichen Nahverkehrs (KVG glaube ich), angeblich sollen noch mehr kommen, und ganz angeblich soll es auch irgendwo Kaffee und Erbsensuppe geben… beides finde ich aber nicht, da die Busse schon ziemlich überfüllt sind, und sich auf dem Parkplatz dann auch noch ein Haufen Polizeiwagen und Einsatzwagen der Feuerwehr aufhalten.
Auf nachfrage heißt es dann von einem Feuerwehrmann, das der Einsatz wohl noch die ganze Nacht dauern wird und man sich doch eine Unterkunft bei Verwandten oder Bekannten suchen solle. Da meine Kontakte in Kiel eher als „dürftig“ zu beschreiben sind, mache ich mich auf den weg zur Holtenauer Strasse… in der Hoffnung, das evtl. nachts noch ein Bus in Richtung Innenstadt fährt – da gibt es dann ja vielleicht noch ein Plätzchen, wo man einen Kaffee (oder mehrere – es ist zu diesem Zeitpunkt knapp halb 2 und ich darf ja auch noch arbeiten am Freitag!) bekommt und sich evtl. auch noch im Warmen befindet.
Nun ja, der nächste Bus fährt in 2 Stunden und kurz entschlossen halte ich einen gerade vorbeifahren wollendes Taxi an und frage den Taxifahrer, ob er hier noch irgendwas kennt, was auf hat. – Dürftig. Er empfiehlt mir, zum Hauptbahnhof zu fahren, da gibt es auf jeden fall schon mal Kaffee. Genau das mache ich – mit dem Taxi zum Bahnhof.
Am Bahnhof stelle ich dann fest, es gibt eine Bäckerei, die schon auf hat, und sogar Kaffee verkauft. Allerdings nur vorne am Tresen, mit hinsetzen oder gar reinsetzen ins Warme ist irgendwie nichts. also erst mal Kaffee (davon brauche ich im laufe der Nacht dann noch so einige) und dann mitsamt meiner Reisetasche durch den Bahnhof gestromert. Irgendwann dann habe ich die Schließfächer – sehr gut versteckt, mein Kompliment an die Bahn! – entdeckt und erst mal meine Tasche verstaut.
Dann dachte ich, ich schau mich mal in Kiels Innenstadt um, ob nicht irgendwo noch ein Laden aufhat, in dem man die Nacht so halbwegs angenehm verbringen kann… nach Möglichkeit ohne Alkohol (wer mich kennt, weiß wie schwer es mir fällt, das jetzt zu sagen
). Nun ja…. Kiel hat ja doch so ein paar wirklich nette und schöne Sachen zu bieten, aber en Kneipen, die nachts aufhaben, da hapert es ganz gewaltig – ich bin dann wohl sehr von Hamburg verwöhnt oder habe sie einfach nicht gefunden.
Die große Bergstrasse lass ich mal aussen vor – mir die Nacht mit irgendwelchen hochdruckbetanken Teenies um die Ohren zu schlagen muss dann ja auch nicht wirklich sein.
Mein normaler Arbeitsbeginn ist um 7 Uhr, anfangen kann ich aber auch schon um 6 Uhr. Also halte ich mich mit diversen Kaffee wach bis um halb 6, dann fährt der erste Bus zur Werft. Mein Zustand? Na ja, eigentlich wäre es in einem solchen Zustand Klug, sich entweder ins Bett zu legen und schön lange auszuschlafen, oder ersatzweise den Rest des Tages in einer der ganz wüsten Kneipen auf dem Kiez mit viel Bier zu verbringen (Lehmitz, Clochard… ihr wisst schon, wo
). Statt dessen auch noch Konzentriertes Arbeiten am CAD-System im Konstruktionsbüro.
So gegen 9 Uhr merke ich dann, es geht definitiv nichts mehr, und bevor ich mir die Rohrleitung, an der ich gerade Arbeite, komplett zerschieße oder irgendwas anderes kaputt mache, geh ich lieber. Zum Glück bin ich die letzten Wochen ja auch immer schon um halb 7 bei der Arbeit gewesen (meine tollen Nachbarn in der Pension, aber darüber schreib ich noch…), so das es von daher auch keine Probleme gab – und mein Chef machte auch keine. Er sagte nur, er würde mich ja anketten, wenn er könnte, darf er aber nicht…. ähm, ja… ich nehme das mal als Kompliment für meine gute Arbeit
Also dann mit dem Bus zum Bahnhof, Tasche auslösen und ab in den Zug nach Hamburg, der auch schon da steht und in gut einer halben Stunde abfährt. Vielleicht kann ich ja sogar mal ein bisschen Schlafen im Zug.
Denkste… kurz vor abfahrt des Zuges kommt eine ganze Schulklasse aus Altona in den Zug gestürmt und belegt alle noch freien Plätze. Ich darf mir also die ganze Fahrt über „Ey, aller…“, „Ey digga…“, „Isch schlag disch…“ sowie diverse Geschichten, wer mit wem wann und wo und wie oft geschlafen hat, anhören. „Ey aller, voll fett, die Frau!“ – Ok, ich nehme mal an, die Frau, von der der Typ vor mir geredet hat, war nicht dick
Ich war dann endlich so um halb 2 zuhause – und wie es nach solchen Nächten dann so ist – ich konnte nicht schlafen! Irgendwas sinnvolles erledigen ging aber auch nicht so wirklich. Dafür war ich dann aber mal früh im Bett und habe so richtig schön lange geschlafen, das hat doch auch mal was.